Wenn die Hütte bellt - Design
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Wenn die Hütte bellt

Schluss mit austauschbaren Gemäuern: „Architecture for dogs“ ist ein Bauprojekt, das gekonnt aus dem Rahmen fällt. Unter der Regie des japanischen Designers Kenya Hara entwarfen prominente Gestalter alles andere als banale Hundehütten – und portraitierten sich auf diese Weise gleich doppelt.

Es muss nicht immer Stein und Beton sein: Um die vertrauten Architekturpfade hinter sich zu lassen, initiierte Kenya Hara ein ungewöhnliches Projekt. Der japanische Gestalter und Muji-Art-Director ließ fünfzehn prominente Architekten und Designer eine Hundehütte entwerfen – ganz ohne Einschränkungen in Form und Material. Das Ergebnis dieses Experiments mündete in der Ausstellung „Architecture for dogs“, die derzeit im Museum für Zeitgenössische Kunst im japanischen Kanazawa Station macht und zuvor in Miami und Los Angeles zu sehen war.

Anders als der Titel zunächst vermuten ließe, geht es Kenya Hara weniger um eine Domestizierung der Vierbeiner als vielmehr um eine Rückkoppelung zur menschlichen Wohnkultur. „Unsere Behausungen sind seit jeher auf die Maße unseres Körpers ausgerichtet. Wenn kleine Hunde neben Menschen stehen, erkenne ich darin neue Möglichkeiten für die Architektur“, erklärt der Tokioer Gestalter. Der Sprung in den Maßstäben erzeugt ein Spielfeld für Ideen, bei dem eine gesunde Portion Ironie keineswegs schaden kann.

Dass die Ansätze mitunter weit auseinander driften, liegt auf der Hand. Schließlich blieben fast alle Architekten der Sprache ihrer „richtigen“ Gebäude treu. Aufschlussreich sind vor allem die Hunderassen, denen die prominenten Baumeister ihre Entwürfe gewidmet haben – und von denen sie zum Teil sogar selbst mehrere besitzen. Die Hütten spiegeln auf diese Weise nicht nur die gestalterische Haltung ihrer Erbauer wider, sondern ebenso ihre eigene Persönlichkeit. Auch an dieser Stelle bewahrheitet sich das Sprichwort, dass Menschen vor allem die Nähe zu jenen Hunden suchen, die ihnen selbst besonders ähnlich sehen.

Für den japanischen Architekten Shigeru Ban fiel die Wahl auf einen Kontinentalen Zwergspaniel, für den er ein Zuhause aus seinem bevorzugten Baumaterial kreierte. Ganz wie bei seinen realen Architekturen setzte der Pritzker-Preisträger auf den Werkstoff Karton und gruppierte vertikal aufgerichtete Pappsäulen zu sich dynamisch-schlängelnden Wänden. Der derzeit schwer angesagte Tokioer Baumeister Sou Fujimoto schuf dagegen für seinen Boston Terrier ein filigranes Metallgerüst, in dem Planzen, Bücher und Utensilien auf transparenten Plexiglas-Ablagen ruhen. Das Haus besitzt keine klar definierte Hülle, sondern lässt Innen und Außen fließend ineinander übergehen.

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Wie eine Mischung aus Architektur und Spielzeug wirkt der Entwurf des Rotterdamer Büros MVRDV für einen Beagle. Die Satteldachkonstruktion aus Sperrholz bedient den Archetypus der klassischen Hundehütte – wenngleich mit einem entscheidenden Unterschied: Das gesamte Haus vollzieht eine leichte Krümmung, sodass es zu beiden Stirnseiten hin zu wippen vermag. Auf Bewegung setzt ebenso der Tokioer Architekt Toyo Ito mit einer Behausung für einen Shiba. Die auf Rollen gelagerte Hütte erinnert an einen Kinderwagen und wird von einem faltbaren Stoffdach gekrönt. Weil sich der Pudel als einziger Hund im Spiegel selbst erkennen kann, schneiderte ihm der Münchner Designer Konstantin Grcic einen regelrechten Thron auf den Leib. Auf einer hölzernen Kiste ruht ein keiner Perserteppich. Dahinter erhebt sich ein runder, beleuchteter Schminkspiegel, der einen Heiligenschein um das Antlitz des Pudels legt.

Der Clou von diesen Entwürfen liegt in ihrer Zugänglichkeit, die weit über die Ausstellung hinausreicht. Auf der Homepage von „Architecture for Dogs“ können die Baupläne mitsamt präziser Montageanleitungen heruntergeladen werden. Kopieren ist an dieser Stelle ausdrücklich erwünscht. Auf diese Weise sollen nicht nur Vierbeiner in den Genuss eines Hauses aus Stararchitektenhand geraten, sondern ebenso stolzen Besitzer.

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